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Luang Prabang, Stadt der Tempel, 14. und 15. Februar 2017

Luang Prabang, eine Stadt in der man noch das alte Indochina entdecken kann. Viele, viele schicke buddhistische Tempel, die hier Vats heißen, alte Stelzenhäuser, teilweise aus dem 19. Jahrhundert und die Kolonialbauten der Franzosen. Und alles zusammen auf einer langen, schmalen Halbinsel gelegen. Umrahmt vom großen Mekong und dem etwas kleineren Nam Khan, die beide hier zusammentreffen.


Die schmale Holzbrücke auf dem Foto ist übrigens nur in der Trockenzeit vorhanden. Wenn die Regenzeit beginnt wird sie einfach fortgespült und später wieder neu gebaut.

Ich besichtige 3 der bedeutendsten Tempel. Gucke außen, gucke innen, ziehe immer brav die Schuhe aus. um durchzulaufen. Dann genügt es mir aber.
Insgesamt gibt es wohl so an die 40 Stück, die auch alle noch in Betrieb sind. Mönche leben in den Mauern, tun hier ihre Arbeit, leben und studieren den Buddhismus. Sehr beeindruckend finde ich immer die Holzschnitzereien an den Türen und an den Altären.

Trainiert durch die vorausgegangenen Bergbesteigungen mache ich mich auf den Weg auf den Phou Si. Das ist der höchste Punkt über der Stadt. Beim Sonnenuntergang ist es hier so voll, dass man um das schönste Foto kämpfen muß. Das ist mir zu nervig. Ich bin am Vormittag dort oben. Auch ein weiter Blick und kein Gedrängel.

Nach dem „anstrengenden“ Auf- und Abstieg ist es Zeit zum Mittagessen. Es ist jetzt ganz schön heiß geworden. Locker über 30 Grad. Suche einen schattigen Platz.
Auf dem Markt gibt es Huhn-Avocado Sandwich. Viel Sandwich für wenig Geld.
Oh, Mayonnaise war dabei, hoffentlich geht das gut.
Ach was, keine Angst!
Danach Rumsitzen, entspannen und gucken was die anderen so machen.

Weiter: Das Wichtigste der ehemalige Königspalast. Bis 1975 lebte der letzte laotische König hier, mit seiner Familie. Dann wurden alle, von den kommunistischen Machthabern, ins Umerziehungslager Nr. 1 gesteckt. Wo sie bald darauf an Unterernährung starben.
Aus Freude an der Umerziehung kann man schon mal das Essen vergessen.
Der Palst ist immer noch sehr prachtvoll. Viele Kunstwerke aus den verschiedensten Hölzern, Wandmalereien, Gemälde. Möbel aus Teak oder schöne bemalte Wandbehänge. Der Boden ist durchgehend mit edlen Tropenhölzern belegt.
Hier gilt auch ein strenges Reglement. Rucksäcke und Fotoapparate müssen abgegeben werden, Handys haben tief in den Taschen zu verschwinden, Schuhe aus, auf Socken ist erlaubt. Und: Meine Hosen sind zu kurz, sie reichen nicht über die Kniee. Für ein Pfandgeld bekomme ich eine lange Plusterhose und sehe aus wie Kalif Jörg.
Man darf nichts fotografieren. Ich will es heimlich tun, aber überall steht ein Wächter herum. Schade! Traue mich nicht.

In diesen kleinen Bambuskäfigen sind jeweils zwei Vögelchen eingesperrt. So eine Art Finken. Ich weiß nicht was man damit machen soll? Sie werden jedenfalls vor dem Aussichtspunkt verkauft. Vielleicht bringt es ja Glück sie freizulassen. Die werden doch wohl nicht gegessen, ist doch garnichts dran?

Abends gehe ich noch ins Zentrum. Jeden Abend um 5 beginnt der Nachtmarkt. Dafür wird die Hauptstrasse in der Innenstadt abgesperrt. So ist genügend Platz für die ungezählten Verkaufsstände, die sich so in der Länge von einem Kilometer, in Viererreihe die Straße entlangziehen.
Die Sonne ist untergegangen es herrschen angenehme Temperaturen und man kann entspannt die vielen, schönen Dinge betrachten. Vielleicht ist das der Grund warum ich so viel einkaufe. Großer Stoffbeutel, kleiner Stoffbeutel, T-Shirt und Sandalen. Es sind die leuchtenden Indigofarben, die mir so gefallen. Blau ist eben meine Lieblingsfarbe.


Am Mittwoch, 15.02., mache ich wieder einen Bootsausflug. Diesmal aber auf dem Strom der Ströme, dem Mekong, Lebensader des Landes. Es geht zu den Pak-Ou-Höhlen, einer buddhistischen Kultstätte, 25 km den Fluß entlang. Die untere Höhle liegt gegenüber der Mündung des Nam Ou in den Mekong und ist praktischerweise auch gleich Wohnort der Flussgeister, die diese Stelle zu bewachen haben.
Aber Höhlen ist doch ein wenig übertrieben. Es sind mehr so größere Felseinschnitte und nicht sehr lang oder tief.
Schöne Fahrt, gegen den Strom dauert es ungefähr 1,5 Stunden. Man glaubt garnicht wieviele Untiefen es im Fluß gibt und wieviel Treibholz unterwegs ist. Ständig müssen wir ausweichen. Der Bootsführer hat zu tun, aber er kennt sich ja gut aus.

Zurück, mit dem Strom, geht es schon viel schneller, ca. 1 Stunde.
Ich lerne Anika aus Stuttgart kennen. Sie hat ihre Jugend in China und Japan verbracht, weil ihre Eltern dort Arbeit hatten. Interessant, sie kennt sich gut aus in Asien. Wir gehen noch Kaffeetrinken, endlich mal wieder auf deutsch unterhalten.
gehe noch fein essen. Diesmal Steak vom laotischen Rind. Kann man aber nicht täglich machen, ganz schön teuer. 16 € mit einem Bier.

Nong Kiao, Bootsausflug und Standortwechsel, 12. bis 13. Februar

Nach einem ausgiebigem Frühstück mit Caffelao, der heißt hier wirklich so und steht seinem vietnamesischen Bruder in nichts nach, geht es los.
Heute habe ich einen Trip per Boot den Nam Ou entlang gebucht.
An Natur und schöner Gegend wurde ja hier nicht gespart. Nur grün bewachsene, steile Berge um mich herum. Und ich fahre mittendurch. Ist schon eindrucksvoll, alles noch so unberührt. Kein Gedrängel, wir sind fast alleine unterwegs.

Wir besuchen zwei Dörfer auf unserer Reise. In einem davon wohnen nur Tuchweber. Fast jeder hat einen Webstuhl vor der Tür und die Frauen verdienen hier das Geld damit.
Immer wieder werde ich angesprochen, ob ich nicht das eine oder andere Tuch kaufen möchte. Aber wenn ich lächle und mit dem Kopf schüttle, lächelt man zurück und keiner dringt weiter auf mich ein, um doch noch etwas loszuwerden. In Vietnam war man da manchmal aufdringlicher. Schön so. Man kann sich auch in Ruhe umsehen, ohne gleich bedrängt zu werden.

Man lebt einfach hier, Strom gibt es erst seit kurzer Zeit. Zu jedem Haus gehört eine kleine Landwirtschaft und überall laufen Enten und Hühner herum.
Vieles wächst ja einfach im und um das Dorf herum, Bananen, Melonen, Mandarinen und viele Früchte, die ich garnicht kenne.
Die meisten Dinge, die man fürs Leben braucht, werden aus Bambus hergestellt: Wände, Dächer, Türen, Matten, Sessel, Fischfanggerät, Körbe soundso und wer weiss was noch alles.

Wir machen schließlich Picknick oben auf einer Terrasse, mit herrlichem Blick über den Fluß. Es wird gegessen was der Guide eingepackt hat und vorher gekocht hatte.

Dann bleibt es mir nicht erspart: Ich muß wieder einen Berg hinaufklettern. Das ist ein echt anspruchsvoller Weg. Manchmal mit Bambusstangen „gesichert“, aber ich finde es echt nicht ganz ungefährlich. Immer schön langsam. Ein Krankenwagen kommt hier bestimmt nicht her.
Es gibt aber, wie immer, zur Belohnung den weiten herrlichen Ausblick.

Auf halbem Weg hinab gibt es eine Höhle, die wir besichtigen.
Wir sind die Einzigen dort. Mein Guide drückt mir eine Taschenlampe in die Hand und dann schlüpfe ich auch schon durch dieses Loch, denn ich will ja nicht alleine zurückbleiben.
Viele Tropfsteine sind zu sehen, aber in der Finsternis kann ich sie nicht richtig fotografieren. Ganz am Ende sind kleine Figuren aufgestellt und dazwischen liegen Geldscheine. Das sind Opfergaben für Buddha, soll Glück bringen.
Da waren wir also wohl doch nicht die Ersten in dieser Höhle.

Nach dem Abstieg laufen wir noch ein Stück nach Muong Ngoi Kao hinein. Das ist nicht weit. Sehen uns noch den Ort ein wenig an und dann geht es mit dem Boot zurück nach Nong Kiao.

Ja, toller Ausflug. Ganz schön abenteuerlich. Allerdings auch nicht ganz billig. Der Preis teilt sich auf, desto mehr Teilnehmer dabei sind. Nun war ich allerdings der Einzige, als Entgegenkommen mußte ich aber nur so viel bezahlen, als wenn wir zu zweit gewesen wären.
Trotzdem 67 €. Aber wenn man bedenkt, dass zwei Leute, der Bootsführer und der Guide und das Boot, den ganzen Tag für mich alleine da waren.
Nächstes Mal sehe ich aber zu, dass ich nicht wieder alleine unterwegs bin. Mit mehreren ist es auch lustiger.
Darauf ein Beerlao. Das Bier schmeckt hier besser, als in Vietnam.

Der nächste Tag, 13. Februar, ist wieder Reisetag. Mittags geht mein Bus nach Luang Prabang. Ich lenze noch faul. Trinke Tee und gucke, lese etwas.
So läuft man hier übrigens rum, wenn „nur“ 18 Grad sind.

Mit einem TukTuk werde ich abgeholt. Das ist so ein offener Kleinlaster mit Sitzen hinten drauf. Dann geht es aber weiter mit einem Minivan, ist schon komfortabler. Aber was hilft es, die Strassen sind schlecht und man wird trotzdem ganz schön durchgerüttelt.

Nong Kiao, Berge und Fluß, 11. Februar

Laos!
Nun bin ich das erste mal auch in diesem Land.
Versprochen ist ein Land von beeindruckender Schönheit. Karstberge, Dschungel, große Flüsse.
Der erste Eindruck während der Busfahrt nach Nong Kiao, scheint dieses Versprechen schon zu bestätigen.
Es gibt in diesem Land nicht so viele Highlights, wie in Vietnam. Keine Halongbucht und auch keine kilometerlangen, weißsandigen Strände. Aber wer braucht denn ständig diese Superlative.
Die Leute sind ebenso freundlich, wie in Vietnam, vielleicht etwas zurückhaltender.

Übrigens ist Laos erst seit 20 Jahren für ausländische Touristen zugänglich. Früher war es garnicht möglich, das Land zu bereisen. Das Ende des Kalten Krieges, zog auch in Laos Veränderungen nach sich.

Nong Kiao ist ein kleines, verträumtes Fischerdorf, inmitten imposanter Berge und am zur Zeit ruhig dahinfließendem Nam Ou gelegen. Das Gebirge heißt Pha Nangnon, „Berg der schlafenden Frau“.


Hier kann man einen Gang zurückschalten. Es ist sehr ruhig, kein Gehupe (Die Laoten stehen scheinbar auch nicht so auf diese Huporgien, wie sie in Vietnam üblich sind.) und Motorengedröhne ist zu hören. Herrlich! Im Vergleich zu den großen Städten, die ich bisher so auf dem Programm hatte, schon ein großer Unterschied.
Langsamkeit ist die Devise hier. Wenn ich Essen bestelle dauert das fast eine Ewigkeit, man denkt erst man ist vergessen worden. Nein! Es bruzzelt und köchelt, schnurpselt und dampft in der Küche. Es wird eben ganz frisch zubereitet und dauert seine Zeit.

Auf einem der Berge hinter dem Ort gibt es einen Aussichtspunkt. Ganz oben, eine Rundsicht, wie aus dem Flugzeug. Aber es ist ein ganz schön steiler Weg. Über eine Stunde kraxle ich dort hinauf.
Aber die Aussicht ist natürlich toll! Man hat wirklich einen totalen Rundumblick.

Beim Abstieg entdecke ich noch eine Korkenzieherplantage. Hier werden die Dinger also hergestellt.

Wieder unten angekommen, muss ich erstmal entspannen. Das ist das Beste was man hier tun kann, es gibt eh keine großen Ablenkungen. Setze mich auf meine „Veranda“, gucke auf den Fluß. Schön ist.
Koste noch den Reisschnaps, den ich bei einer alten Frau gekauft habe. Ist Selbstgebrannter, ganz schön scharfes Zeug. Einen halben Liter zum Preis von 0,60€. Hoffentlich bin ich morgen nicht blind oder magengeschädigt. Sie hat aber immer ihren Bauch gerieben und mir so erklärt wie gut das Zeug eigentlich für die Gesundheit sein soll. Also, schmecken tut er jedenfalls.

Die Wissenschaft ist sich übrigens einig. Hier ist er geboren und aufgewachsen. Der Mann, dem die Welt viel zu verdanken hat……. Der Erfinder der Hängematte.

Nong Kiao am Nam Ou, auf nach Laos, 10. Februar 2017

Eigentlich hätte mir das schon eine Warnung sein müssen. Ich buche die Busfahrt nach Laos im Hotel, wie schon so oft. Das hat immer gut funktioniert. Wo soll ich hier auch sonst hin, Reisebüros habe ich keine gesehen.
Diesmal ist es allerdings schwieriger.
Ich muß dem kaum englischsprechendem jungen Mann erstmal auf meinem Tablet die gewünschte Route und den Zielort erklären. Man sieht ihm an, dass er sich mit Laos nicht so auskennt.
Telefoniert aber mit der Busgesellschaft und gibt mir zu verstehen, dass alles seinen Gang geht. Bei meinen Fragen zum Grenzübertritt verbindet er mich telefonisch mit seinem Chef. Der kann nun wiederum sehr gut englisch und beantwortet meine Frage, ob der Bus auch auf mich wartet, wenn ich wiederum auf mein Visum für Laos an der Grenze warte.
Ja, tut er. Na dann kann es morgen ja losgehen.

An dieser Stelle, bevor es zu spät ist:
Tam biet, Vietnam. Auf Wiedersehen mein wundervolles Vietnam mit seinen zuvorkommenden, freundlichen und liebenswerten Menschen. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Lebe wohl! Hoffentlich schaffe ich es noch in meinem Leben, einmal wieder hierherzukommen.

Nächsten Morgen halb sieben geht es los. Ich werde abgeholt und zum Bus gebracht. Es ist wieder eine sehr kurvige Fahrt, denn die Grenze zu Laos verläuft oben auf dem Gebirgskamm. An schlafen ist nicht zu denken, dafür wird man viel zu oft herumgeschüttelt. Allerdings habe ich diesmal ausreichend Platz. Nach ca. 2 Stunden sind wir dort.
Es läuft eigentlich alles problemlos. Ich muß 2 Formulare ausfüllen und 32 $ bezahlen und bekomme, auch ohne Wartezeit, sofort mein Visum. Allerdings muß ich insgesamt 4 Schalter in Reihe durchlaufen. Der nächste macht ein Häkchen ans Visa, für 2 $. Sein Kollege stempelt, bekommt dafür auch 2 $. Einer guckt nur, ist umsonst. Der letzte hält mir ein elektronisches Fiebermessgerät an die Stirn, heute für 3 €. Diese verschwinden sofort in einer großen Schublade.
Eigentlich kostet das Visum 35, jetzt waren es 39. Ich denke mal, damit haben diese Paßstempler einen schönen Nebenverdienst. Na sei’s drum, verbuche es als deutsche Entwicklungshilfe.
Weiter geht es durch eine lauschige Berglandschaft, wieder hinab bis an den Fluß Nam Ou.
Nach weiteren 3 Stunden wird Mittag gemacht und dabei muß ich feststellen, dass ich nicht ganz auf der richtigen Strecke bin. Nong Kiao wird garnicht angefahren. Ich hätte wahrscheinlich irgendwo umsteigen müssen. Das hat mir aber der Hotelmensch nicht mitgeteilt. Ich denke mal, dass keine Absicht dahinter steckte, sondern einfach finstere Unwissenheit. Ich hätte mal gleich den Busfahrer fragen sollen.
Ich versuche mühsam, mich ohne Englisch zu erklären. Zeige die Orte auf der Karte auf meinem Tablet und auf meiner Fahrkarte. Erkläre, dass ich hier in Oudomaxai lieber aussteige und hier übernachten werde. Damit ist man allerdings nicht zufrieden, denn ich habe ja schließlich voll bezahlt. Das wäre mir gegenüber ungerecht. Der Rucksack wird wieder eingeladen und ich werde zum Busbahnhof gefahren. Der Bussfahrer kauft, auf seine Kosten, einen neuen Fahrschein für mich, denn bezahlt ist schließlich bezahlt.

Es geht auch gleich los.
Ich muß noch einmal umsteigen, habe aber Glück und schaffe es tatsächlich bis zum Abend mit den öffentlichen Bussen nach Nong Kiao. Ich war mir schon ziemlich sicher, dass ich irgendwo hängenbleiben werde, weil heute kein Bus mehr weiterfährt und in so einem abgelegenem Dorf übernachten muß. Wenn es denn etwas zum Übernachten gegeben hätte. Aber Schwein gehabt.

Eine Unterkunft finde ich auch gleich. Ein einfaches Gästehaus. Vorbuchen per App, wie in Vietnam ist in Laos nur in den größeren Städten möglich. So vernetzt ist man hier nun auch noch nicht, obwohl es schon in jedem Restaurant und Gasthaus Internetzugang gibt.
Erstmal ein Bier (Beerlao heisst das hier und schmeckt sehr lecker.). Etwas essen und die Promenade entlangflanieren.
Genug für heute. Ab ins Bett!

Dien Bien Phu, Schicksalsort der Franzosen, 8. bis 9. Februar 2017

Ich warte in der Lobby meines Hotels in Sa Pa auf den Bus, der mich nach Dien Bien Puh bringen soll. Eigentlich sollte es um 11:00 Uhr losgehen, aber der zuvorkommende Hotelbesitzer erklärt mir, dass der Busfahrer ihn angerufen hätte und er einfach noch nicht genug Fahrgäste zusammen hat, dass sich die lange Fahrt lohnen würde. Um 12:00 Uhr soll es losgehen, daraus wird dann später 13:00 Uhr.
Gelassenheit! Enge Termine habe ich ja eh nicht.
Schließlich geht es los. Der Hotelmanager steigt mit mir in ein Taxi und wir fahren zum Busbahnhof. Er will sicher gehen, dass ich auch den richtigen Bus erwische.

Na Hallo!! Das Warten hat sich für den Busunternehmer aber gelohnt. Die ganze Kiste ist zu drei Vierteln mit Gepäck und Paketen gefüllt. Im restlichen Viertel sitzen ungefähr 15 Leute. Und ich muß auch noch mit. Es geht irgendwie. Ich sitze zwar etwas eingeklemmt zwischen den Gepäckstücken und Fahrgästen, aber es ist nicht unbequem. Wenn nur diese ständigen Kurven nicht wären. Angst vor Körperkontakten mit fremden, asiatischen Menschen darf man hier nicht haben.
Eigentlich eine wunderschöne Strecke. Wenn man nur mehr sehen könnte. Über Lao Cai und Muong Lay geht es schließlich durch das tiefe Tal des Song-Da-Flußes, teilweise unberührte Landschaft. Grüne, steile, dicht bewachsene Berghänge säumen links und rechts den Fluß.
Ich komme leider nicht zum Fotografieren. Angehalten wird nicht. Erst spät, da ist es schon dunkel.
Das Wunderbarste ist aber, dass es endlich wärmer wird. Nicht so schrecklich kalt, wie abends und morgens in Sa Pa. Das tut gut. Schön!
Englisch spricht hier keiner mehr. Ich unterhalte mich ein wenig mit Händen und Füßen mit zwei freundlichen, vietnamesischen Damen, die eine sitzt auf meinem Rucksack, die andere irgendwie über und hinter mir. Sie kichern ständig. Die Stimmung ist also gut.

Donnerstag, der 9.2.
Viel ist hier in Dien Bien Puh nicht los. Es gab bisher nur ein großartiges Ereignis in dieser Stadt und zwar die letzte und endgültige Schlacht gegen die französische Kolonialmacht. !953 war’s und natürlich siegreich für unsere kleinen Vietnamesen.
Die Franzosen hatten hier auf den Hügeln außerhalb des Ortes eine große Festung errichtet, um den Nachschub der Viet Minh zu stören. Sie wähnten sich sehr sicher und hielten sich für waffentechnisch weit überlegen.
Ha! Der erste Fehler war, dass sie dachten durch diesen Dschungel, die steilen Hänge hinauf werden die Viet Minh es niemals fertigbringen, in der Umgebung Geschütze in Stellung zu bringen.
Sie haben es trotzdem geschafft. Unter unsäglichen Mühen und mit hohem Aufwand zwar, aber was tut man nicht alles für die Freiheit.

Noch nicht genug damit: Bergleute aus der Umgebung hatten in wochenlanger harter Arbeit die französischen Stellungen untertunnelt, die Schächte mit Sprengstoff gefüllt und es passierte was passieren mußte: Mit einem riesigen Knall endete die hundertjährige Besatzung Vietnams durch die Franzosen. Hochmut kommt vor dem Fall, wie man so schön sagt.

Ich sehe mir heute die Überbleibsel dieser Schlacht an. Besichtige den riesigen Soldatenfriedhof, einen dieser Hügel, auf dem noch die Schützengräben zu sehen sind und das dazugehörige Museum.

Der Hauptgrund, warum ich hier in Dien Bien bin, ist aber, dass ich hier umsteigen muß in einen Bus, der mich über die Grenze nach Laos bringen soll.
Das ist jetzt also meine letzte Station in Vietnam.
Wichtigste Aufgabe heute: Geld ausgeben. Ich kann die vietnamesischen Dong nicht mehr zurücktauschen, also muß ich sie loswerden.
Ich kaufe mir eine schicke Sonnenbrille für weniger als 10 €, lasse mir die Schuhe putzen, da war noch der Lehm von den Reisfeldern Sa Pa’s dran, 0,90 €. Zum Friseur, ist auch mal fällig, 2,50 €. Decke mich mit Magen- und Darmmedikamenten ein. Sicher ist sicher. In Laos ist die Gesundheitsversorgung sehr vernachlässigt, ein armes Land eben. Wenn es Medikamente gibt, dann sind sie meist bis zur Wirkungslosigkeit gestreckt. Die Arzneien kosten mich 10 €.
Gehe noch schön essen. Englisch läuft hier nicht mehr, bin schon ziemlich abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Ich muß anhand der kleinen Bildchen auf der vietnamesischen Speisekarte bestellen und bekomme überraschend, Spaghetti Bolognese. Mal was anderes und schlägt mit 3 Euro zu Buche.
Ist einfach nicht so leicht, alles übrige Geld loszuwerden.

Sa Pa, Fansipan, dünne Luft über den Wolken, 7. Februar 2017

Immer wenn ich traurig bin, dann trink‘ ich einen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin, dann trink‘ ich noch ’n Korn.
Und sollt‘ ich dann noch traurig sein…. dann fang‘ ich an von vorn:
Immer wenn ich traurig bin, dann ……………..

Jetzt bin ich schon über einen Monat unterwegs und manchmal packt mich einfach das Heimweh.
Hmmh, jetzt zu Hause sein, nicht im Hotel schlafen, sondern im eigenen Bett.
Um den Schmerz zu bekämpfen, habe ich mir heute diesen Schnaps gekauft. Korn gibt es nicht, ist eben Wodka. Hilft auch gegen Weltenschmerz und Heimweh steht jedenfalls auf dem Beipackzettel. 😉
Geht ja nicht anders. Marco Polo konnte damals auch nicht einfach so nach Hause fliegen und ich natürlich erst recht nicht.

Am nächsten Tag, Dienstag, 7. Februar, bin ich auch schon wieder guten Mutes. Heimweh ist vergessen.
Ich miete mir für heute wieder einen Motorroller. Diesmal geht es zu den beiden Wasserfällen, Richtung Westen, außerhalb der Stadt. Es gibt zuerst den Liebeswasserfall, eher unspektakulär, viel schöner ist der Silberfall. Allerdings muß man schon ein gutes Stück bis dorthin laufen. Man wird dann aber, durch den Blick auf diesen wirklich idyllisch gelegenen Ort belohnt und der Weg dorthin geht teilweise auch sehr schön am Wasser entlang.

Weiter westwärts gelange ich bald zum Deo Tram Ton, der Wetterscheide. 1900 Meter hoch und damit der höchste Gebirgspass Vietnams.
Und ich war da ….. ich und mein Moped! Toller Ausblick von hier oben.
Wetterscheide kann man wirklich wörtlich nehmen. Ich fahre noch ein Stückchen auf der anderen Seite den Berg hinunter und es wird sofort spürbar wärmer. Ist das schön, tut gut. Aber ich muß zurück in Richtung Sa Pa, da ist dann wieder deutlich kühler.

Es kommt noch besser: Zwei Stunden später stehe ich auf dem höchsten Gipfel des Landes. Der Fan Si Pan, 3143 Meter hoch. Ich stehe da oben aber auch nur, weil es seit einem Jahr eine Seilbahn fast bis ganz auf den Gipfel gibt. Dieses Wunderwerk bricht gleich 2 Weltrekorde: Die längste Dreidrahtseilbahn und mit dem höchsten Höhenunterschied (1410 m).
Die Gondel durchbricht die Dunstschicht im Tal und dadrüber scheint die Sonne und man hat einen guten und weiten Ausblick. Eine Sache stört mich aber sehr:
Man kann während der Fahrt sehr gut sehen, wie der Wind die Wolken über den Gipfel fegt. Und dieser starke Fallwind drückt auch gegen die Gondel…. oh, oh. Das Ding fängt an zu schwingen und der Wind pfeift drumherum und es schaukelt immer noch mehr. Der Alptraum für nicht ganz höhentaugliche Menschen. Hält das Seil?
Aber es geht alles gut. Jetzt noch 600 steile Stufen bis zum Gipfel. Langsam… die Luft ist hier deutlich sauerstoffärmer, ich muß öfter Pause machen und durchatmen. Aber dann ist es geschafft.

So hoch oben war ich noch nirgendwo. Hier pfeift ganz schön der Wind. Nach dem „Erstbesteigerfoto“ verschwinde ich auch gleich wieder von hier oben und setze mich erstmal ins Cafe. Pause mit Blick auf die Berglandschaft.

Sa Pa, Stadt in den Bergen, 5. und 6. Februar 2017

In der Stadt herrscht ein ziemliches Gedränge. Es ist Markttag. Das Stadtbild wird beherrscht von den bunt gekleideten Hˋmong. Das ist die hier ansässige ethnische Minderheit. Sie wohnen in den vielen kleinen Dörfern in den Bergen, rund um Sa Pa. Die H’mong sind es auch, die den Markt hier beherrschen. Besonders die Frauen sind sehr verkaufstüchtig und lassen nicht so leicht locker. Am Besten nicht das geringste Interesse zeigen, auch nicht nur kurz zögern oder die Ware ansehen, sonst wird man sie so leicht nicht mehr los. Ein entschiedenes „No, thank you“ am Anfang sorgt aber schnell für Klarheit.

Und was heute, am Sonntag, besonders auffällig ist: Durch die Nähe zur chinesischen Grenze begünstigt, fallen Tausende von Chinesen in die Stadt ein. Sie werden mit großen Reisebussen angekarrt. Manche kommen auch mit dem eigenen Auto. Sie wollen hier günstig Krimskram einkaufen, gut essen und spazierengehen, meist flaniert man um den SaPa-See, der im Herzen der Stadt sehr zentral, gelegen ist.

Die H’mong sind sehr kleine Menschen, ihre Kinder sind natürlich noch kleiner und ganz, ganz klein sind die Babys, die von den Kindern auf dem Rücken rumgetragen werden. Sie möchten nicht gerne fotografiert werden, erst recht die Kinder nicht. Es sind extra Hinweisschilder aufgestellt, die die Touristen dahingehend belehren. Also fotografiere ich möglichst heimlich.
Aber die sollen mich mal fragen. Als weißer, hellhaariger (auch wenn es grau ist) Europäer bin ich hier ein Exot. Ich muß auf so manches chinesische Foto mit rauf. Mich fragt auch keiner. Auf einmal stehen ein, zwei Chinesen links und rechts von mir und gegenüber einer der auf den Auslöser drückt. Oder es stellt sich einer neben mich und hält uns beiden sein Handy ins Gesicht, Selfie. Wo ich herkomme wird noch gefragt. Nicht allen geht gerade ein Aufblitzen durch die Pupille, wenn ich artig „Germany“ sage. Die meisten wissen sicher nicht was das denn nun wieder für ein Land ist.
Auf dem Hauptplatz vor der Kirche wird es mir zu bunt, ich verschwinde in die kleinen Gassen hinter dem Platz.

Die Stadt selber bietet nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Das Highlight ist die Umgebung von Sa Pa, mit dem höchsten Berg des Landes dem Phan Xi Pang. In der jetzt üblichen modernen Version heisst er: Fansipan.
Man sagt von Sa Pa, dass sie die Stadt mit den 4 Jahreszeiten, aber nicht im Laufe des Jahres, sondern pro Tag ist.
Am Morgen Frühling, Mittags Hochsommer, Nachmittags Herbst (Da kommt tatsächlich der Nebel von den Bergen.) und abends und in der Nacht Winter. So ist es hier wirklich. Von kurzärmlig bis zu Jacke und Pullover gleichzeitig wechselt meine Anzugsordnung am Tag. Es ist die erste Stadt in der ich nachts heizen muß. In meinem Zimmer ist zum Glück auch eine Heizung.

Noch ein sehr schönes Erlebnis:
Beim späten Mittagessen gerate ich ein Restaurant in dem wohl nicht oft Ausländer verkehren.
Speisekarte gibt es nicht. Es steht an der Wand geschrieben, was es gibt. Aber damit kann ich ja nichts anfangen. Gehen darf ich aber auch nicht wieder. Freundlich werde ich von der „Wirtin“ am Arm in die Küche gezogen. Hmh!? So viele Dinge hier. Zum Glück kommt die Nachbarin zur Hilfe, sie kann etwas englisch. Es gibt eh nur Pho. Ich nehme die Hühnchenvariante.
Hinsetzen soll ich mich und auf keinen Fall weggehen. Dauert nur ein paar Minuten. Die Kinder, die darauf lauern ihr Schulenglisch an mir auszuprobieren, werden von der Mutter verscheucht, der Gast soll seine Ruhe haben. Herrlich!
Nur die kleine Tochter hält es nicht lange aus. Sie tänzelt immer in der Nähe herum. Schließlich lacht sie mich an über beide Ohren, will meinen Namen wissen und sagt mir natürlich, auf meine Frage, ihren, Anh. Jetzt kommt die Wirtin noch dazu, die Nachbarin übersetzt. Wo ich herkomme, wohin, wie lange. Man ist sichtlich glücklich einen Ausländer als Gast zu haben, das ist deutlich zu spüren. Als ich dann noch sage, dass es mir sehr gut geschmeckt hat, strahlt meine Gastgeberin über das ganze Gesicht. Sie freut sich ehrlich. Unter vielen „Thank yous“ beiderseits verabschiede ich mich dann schnell, bevor ich hier noch adoptiert werde.
Leute, was soll ich sagen? Ist das nicht wundervoll? Packt Eure Sachen und kommt nach Vietnam! So lange es noch so ursprünglich ist, wie im Moment. Ich verspreche Euch Ihr werdet nichts bereuen (Färbt Euch die Haare hell!)

Am Montag, dem 6. Februar, mache ich wieder eine Treckingtour. Diesmal soll sie nicht so anstrengend sein. Es geht in die umliegenden Dörfer, in die Berge und zwischen diesen steilen Reisterrassen entlang. Der Weg ist zwar manchmal rutschig und feucht, aber im Vergleich zum letzten Wandertag viel entspannender.Immer wieder bieten sich prächtige Ausblicke auf die umliegenden Berggipfel.

Den ganzen Weg über, also fast den ganzen Tag, haben uns etwa ein Dutzend dieser Mong-Frauen begleitet. Sie haben aufgepaßt, dass wir den richtigen Weg nehmen, nicht ausrutschen und etwas Smalltalk gab es auch. Nur um uns am Ende der Strecke, etwas verkaufen zu können.

Na ja, was soll’s, sie sollen ja auch leben. Ich kaufe einen hübsches Tuch, handgestickt, für 5 €. Zum Dank bekomme ich noch ein Band fürs Handgelenk geschenkt.
Aber ich habe hart gehandelt. Sie wollte doch tatsächlich ursprünglich 8 € von mir. Stolz!

Cat Ba, Stadt und Nationalpark, 2. bis 5. Februar Mittags, 2017

Heute schlafe ich richtig aus. Aber länger als bis 9:00 Uhr schaffe ich auch nicht.
Es ist ein schöner Tag, die Sonne scheint, gestern war es ja etwas kühl. Das ist nun vergessen.
Durch das schöne Wetter in meinem Optimismus bestärkt, beschliesse ich, mir heute einen Motorroller auszuleihen.
Das geht hier echt problemlos. Ich zahle 4€ für das Motabike und 2,50 Sprit. Der Verleiher will nicht mal einen Ausweis oder Pass von mir. Wahrscheinlich, weil wir hier auf einer Insel sind und man sowieso nicht so leicht fliehen kann, schon garnicht mit einem Motorroller.
Kurze Einweisung und Probefahrt und ab geht es, seit 9:45 Uhr wird zurückgehupt.

Uih macht das Spaß! Viel Verkehr gibt es hier nicht. Ich fahre quer über die Insel, auf die Nordseite, zum Hafen Gia Luan. Zwischendurch Kaffeetrinken und Gegend gucken. Und wieder zurück zum Aussichtspunkt von Cat Ba-Stadt, der alten Geschützstellung Cannon Fort. Vor über hundert Jahren erbaut. Toller Ausblick vo hier oben. Ohne Moped wäre es ein ganz schön langer Fußmarsch gewesen.

Abends treffe ich noch die beiden Schweizer, die ich gestern beim Bootstrip kennengelernt hatte. Wir unterhalten uns über unsere Eindrücke vom Land und den bevorstehenden Trip nach Laos.

Heute am Freitag, 3. Februar, ist eine geführte Trekkingtour durch den Nationalpark im Inneren der Insel geplant. Es geht also durch den Dschungel. 620 verschiedene Pflanzenarten soll es hier eben, die Hälfte davon besitzt eine medizinische Wirkung. So wird erzählt. Auch viele Tierarten haben in diesem Schutzgebiet überlebt, aber auch nur, weil sie gelernt haben dem Menschen aus dem Wege zu gehen. Es gibt hier die letzten Goldkopflanguren, eine Affenart. Aber um die zusehen, muß man schon sehr viel Glück haben.
Die Landschaft ist sehr zerklüftet und der Weg wird immer steiler. Aus dem Trekking wird eher ein Klettern. Genauso steil geht es den Berg auch wieder hinab. Man muß schon sehr aufpassen, weil die Felsen auch sehr feucht sind. Bloß nicht ausrutschen.
Wir erreichen den Froschsee nach ca. 6 km. Nun ist aber gerade Trockenzeit, der See nicht gefüllt und die Frösche im Schlamm vergraben. Wir bekommen sie leider nicht zu Gesicht.
Weitere 3 Stunden klettern wir so auf einer Seite der Berge hinauf und auf der anderen wieder hinunter. Das ist echt anstrengend. Wir machen 2 Stunden Mittagspause in einem kleinen Dorf und sind alle ziemlich geschafft.
Wir das sind: 2 Australierer, 1 Südafrikaner (weiß), einmal Großbritannien und noch 2 junge Frauen aus Deutschland. Endlich kann ich mich mal wieder auf deutsch unterhalten. Und das tun wir dann auch zur Genüge.
Vom östlich gelegenem Hafen, Viet Hai, werden wir dann per Boot abgeholt und zurück in die Stadt verschifft.

Morgen geht es wieder weiter. Auf nach Sa Pa. Ich bin sehr gerne auch wieder unterwegs und freue mich dann, wenn es zum nächsten Ort geht.

Samstag, 4. Februar
Die Fahrt allerdings ist etwas anstrengend. Wir müssen mehrmals umsteigen.
Manchmal hat das allerdings auch seinen Reiz: Wir warten auf unseren Anschlußbus und sitzen in einem kleinen, familären Strassencafe. Ein älterer Herr setzt sich neben mich und beginnt vom Vietnamkrieg zu „erzählen“, mit Händen und wenigen englischen Worten erklärt er wie er seine Maschinenpistole, AK47 – das ist gut zu verstehen, russisches Modell, oft und stets nur zum Nachteil der Amerikaner eingesetzt hatte. Er zeigt mir seine Uniform und erklärt die Symbole auf seiner Mütze, aber leider nur in vietnamesisch. Anschließend lädt er mich ein, mit ihm Pfeife zu rauchen. Diese Pfeife ist ein einfaches langes Rohr aus Edelstahl, gibt es auch aus Bambus. Er zeigt mir eine dunkle Substanz aus einer Plastiktüte, die er in seine Pfeife streut und uns anschließend klarmacht wie glücklich ihn, alleine schon der Genuß eines Zuges macht. Ha! Na Tabak ist das nicht. Mehrmals muß ich dankend ablehnen, bekomme dann zum Trost aber einen vietnamesischen, grünen Tee. Nicht so bewußtseinserweiternd wie sein Zeug, aber auch lecker.

Nachts um 3:00 Uhr müssen wir aus dem Schlafbus raus. Stehen irgendwo im Nirgendwo, werden aber gleich wieder von einem Kleinbus eingesammelt. Nun geht es die Berge hinauf. Sa Pa liegt auf ca. 1200 Metern. Es ist eine wundervolle, sternenklare Nacht, man kann im Tal die Lichter der Dörfer erkennen. Es geht immer höher die Serpentinen hinauf, nur gut, dass ich den steilen Abgrund nicht so genau erkennen kann. Dafür ist es nun wiederum, doch zu dunkel.
Um 5:00 Uhr sind wir in Sa Pa. Es ist bitterkalt. Bestimmt deutlich unter 10 Grad.
Ich finde mein Hotel. Aber was hilft es, durch die Glastür kann ich dem Receptionisten beim Schlafen zusehen.
Ein paar Meter weiter gibt es tatsächlich ein Cafe, das schon geöffnet hat. Hier wärme ich mich erstmal auf. Später gebe ich meinen Rucksack im Hotel ab und gehe frühstücken in der Stadt. Um 11 kann ich aufs Zimmer und schlafe erstmal eine Runde. Puuh!

Übrigens. Geld habe ich nun, zum Glück, wieder bekommen am Automaten. Ab dem zweiten Februar erwachte das Land so langsam aus der Tet-Erstarrung. Die meisten Geschäfte haben nun auch wieder geöffnet. Aber die Verkehrsmittel sind noch sehr voll, weil alle Menschen nun wieder zurückströmen, meist an ihre Arbeitsplätze.

Cat Ba, Stadt und Halongbucht, 31. Januar bis 1. Februar 2017

Also, ich muß noch einmal darauf zurückommen, wie toll das hier immer organisiert ist.
Ich buche in meinem Hotel einen Transfer von Hanoi nach Cat Ba. Bezahle und brauche mich, um nichts mehr zu kümmern.
Morgens warte ich, zur vorgesehenen Uhrzeit, in der Lobby, ein freundlicher Herr mit Motorroller holt mich ab, während der Fahrt werde ich mit Smalltalk aufgeheitert, steige in den Bus um, fahre bis zu einem kleinen Ort an der Küste, dort wartet schon die Fähre auf uns, ein Tragflächenboot, wir erreichen die Insel in kürzester Zeit, die Busse stehen schon bereit und fahren uns in die Stadt, noch 300 Meter zum Hotel….fertig. Und das funktioniert immer! Ein tolles Reiseland, dieses Vietnam.
In Cat Ba scheint die Sonne, vom Meer weht aber ein stetiger Wind, so dass es so angenehme 22 Grad sind. Abends wird es allerdings schnell sehr kühl.

Ein schickes Zimmer habe ich heute. Mit Sitzecke und Terrasse. Meeresblick eher indirekt, aber um 6 abends ist eh dunkel.
60 $ für 4 Nächte, mit Frühstück.

Am Mittwoch, den 1. Februar, ist es so weit, ich starte zu einer Bootstour hinaus auf die Halongbucht. Dutzende Schiffe stehen hier bereit und warten auf ihre Kundschaft, so dass man Angst bekommt, es wird so voll auf dem Wasser, wie in Hanoi auf den Strassen. Aber diese Bucht hat eine gewaltige Ausdehnung, so dass auch noch mehrere Boote Platz haben würden.
Irre Landschaft, überall ragen diese runden, riesigen Kuppeln aus dem Wasser, manchmal mehrere 100 Meter hoch. Wir tuckern zwischen ihnen hindurch. Hinten am Heck beginnt man schon, das Mittagessen für uns zuzubereiten.
2000 von diesen kleinen Inseln gibt es hier. Sie bestehen aus Kalkstein und einer Mischung aus verschiedenen Mineralien, Gneis. Während die Umgebung in 280 Millionen Jahren einfach verwittert und wegerodiert ist, widerstand dieses härtere Material und übrig blieben diese gewaltigen Gesteinstürme.
Oder wissenschaftlich erklärt: „Ha Long“ heißt absteigender Drache. Der Himmel schickte eine Drachenmutter und ihre Kinder zur Hilfe, als die hier siedelnden Vietnamesen von Feinden bedrängt wurden. Auf die Angreifer spuckten die Drachen einen Regen von Edelsteinen und Perlen, die sich in Tausende von Inseln verwandelten und die Feinde einsperrten. Diese verirrten sich, krachten gegen die Felsen und aus war’s.

Wir sind den ganzen Tag in der Bucht unterwegs, zwischendurch und zur Auflockerung steigen wir um und paddeln noch eine Runde mit dem Kayak um einige dieser Inseln und Inselchen. Aus dieser Perspektive erscheinen die Höhe und die fast senkrecht stehenden Wände dieser Karstberge noch beeindruckender.

Zum Schluß setzen wir Kurs in Richtung Monkey-Island. Auf den Fotos kann man gut erkennen, warum sie Affeninsel genannt wird. Die Äffchen ließen sich gerne füttern und wenn man zu langsam war, rissen sie manchem schon mal ganz flink, die ganze Tafel Schokolade oder gleich den Rucksack aus der Hand. Wollte man seine Sachen wiederhaben, wurden schon mal die Zähne gezeigt. Den Rucksack gab’s aber zurück. Nur Essbares war interessant.

Abends beim wohlverdienten Essen hat sich dieser restauranteigene Hund noch sehr für mein Schweinefleischgericht interessiert. Er blieb aber, nachden er meinen abweisenden Blick erkannt hatte, vietnamesisch zurückhaltend.

So langsam komme ich in Schwierigkeiten. Seit ich auf der Insel bin kann ich kein Geld mehr abheben. Es gibt hier nur einen Bankautomaten und dieser ist jetzt, seit ich hier angekommen bin, einfach leer. Durch dieses landesweite TET-Koma füllt ihn auch keiner mehr auf und die Banken sind geschlossen.
Ich hoffe sehr auf morgen, denn ab 2.2. sollen die öffentlichen Einrichtungen eigentlich wieder arbeiten.

Hanoi, Erkundungen in der tausendjährigen Stadt, 29. bis 30. Januar 2017

Heute mal langsam. Es ist auch ziemlich heiß und schwül geworden. Es steht nur der Literaturtempel auf meinem Programmzettel. Das war Hanois erste Universität, gegründet im Jahre 1070.

Da nach dem Tet-Fest in der Regel das ganze Land Urlaub hat, bin ich einer unter 150000 Vietnamesen. Das es hier viele Menschen auf engem Raum gibt, daran bin ich ja inzwischen gewöhnt und es stört mich auch nicht mehr.

Aber! In einem der wichtigsten Gebäude der Stadt gibt es keinen Urlaub für die Angestellten! Die Post! Während alle anderen Postämter bis zum 2. Februar geschlossen haben, gilt das nicht für das Postamt Nr. 2 in der Dien Tie Hoang. Ich kann endlich mein Paket abschicken. Muß alles auflisten was reinkommt, bekomme einen Karton und alles wird von der Postfrau ordentlich zugeklebt. Weg damit! Rucksack nur noch halb so voll.

Abends zeiht’s mich immer wieder in die Altstadt. Hier ist es bis spätabends lebendig. Alle sind auf der Suche nach dem richtigen Restaurant, der angesagtesten Bar.
Ich sitze gerne in einem der Streetfoodrestaurants und siehe zu wie sich der Verkehr durch die schmalen Gassen quält. Dicke SUV’s, auch mal der eine oder andere Bus, die Rikschas mit den Touris, unzählige Mopeds. Dann bleibt so ein Autopanzer auch mal rechts stehen, die Strasse ist nur noch halb so breit…egal, es geht trotzdem weiter. Ohne, dass jemand schimpft oder Anstoß daran nimmt. Selbst, wenn der Verkehr noch so dick ist, bleibt man gelassen. Geht es eben langsamer voran, es bleibt dabei: Alles fließt.
Faszinierend!


Am Montag besuche ich die alte Zitadelle und in dieser das Museum für Militärgeschichte.
Da haben es doch tatsächlich diese kleinen Vietnamesen geschafft erst den Franzosen und später auch den Amerikanern das Fürchten zu lehren. Diese beiden starken Militärmächte hatten auf Dauer keine Chance gegen das kleine Vietnam. Alle Achtung!

Präsidentenpalast und das Ho-Chi-Minh-Mausoleum folgen. Hier ist er aufgebahrt, der Staatsgründer und wird immer noch sehr verehrt von seinem Volk. Liebevoll Onkel Ho genannt.
Witzig ist: Er hat extra in seinem Testament verbrieft, dass seine Asche auf drei, nicht benannten Hügeln, in den unterschiedlichen Landesteilen, Nord-, Mittel und Südvietnam, verstreut werden sollte. Das hat aber der Partei nicht gepasst. Sie wollte Heldenverehrung mit begehbarer Pilgerstätte. So kam kurzerhand das Testament unter Verschluß und der ausgestopfte Onkel Ho ins Mausoleum.

Mein ursprünglicher Plan war: Von Hanoi aus eine zweitägige Tour in die Halongbucht zu buchen. Nun gibt es eine ganz teure Luxustour für fast 200 $, eine bei der das Schiff nicht ganz so mondän ist, für 130 $. Die billige Variante ist natürlich erst ab 2. Februar wieder verfügbar. Darf ich erinnern? Wir haben Tetfeiertage. Hmmh??? Was tun?

Ich beschließe kurzerhand, auf eigene Faust dort hinzufahren. Und so buche ich ein Hotel auf der herrlichen Cat Ba-Insel, mitten in der Halongbucht gelegen. Sie ist für ihre wunderschönen Strände und den angrenzenden Nationalpark berühmt. Ich kann auch dort ein Boot für eine Halongkreuzfahrt besteigen, ist wesentlich billiger. 4 Tage will ich bleiben.
So bekomme ich, glaube ich, mehr geboten für meine 200$. Die Fahrt dorthin 25$, das Hotel 60$, der Bootstrip vielleicht 25 $. Dafür aber vier Tage Sonne, Strand und Meer.